Antwort 2 Freie Wähler Fraktion

Das Thema Ganztagsgrundschule wird in Filderstadt sehr kontrovers diskutiert. An welchen Standorten halten Sie weitere Ganztagsgrundschulen für notwendig und sinnvoll?

Wer die Entwicklungen im Bereich der Kindertagesstätten und den dort wachsenden Bedarf an Ganztagesangeboten beobachtet, wird nicht lange zögern, dass nach und nach auch die Angebote an den Ganztagesschulen ausgebaut werden müssen. Dies betrifft zunächst, aber nicht ausschließlich die Grundschulen. Zugleich muss sorgfältig abgewogen werden, welche Angebote an welchen Schulstandorten bedarfsgerecht, passgenau und kurzfristig zu realisieren sind.

Dabei müssen in den Grundschulen über die verlässliche Grundschule hinaus die verschiedenen Formen der Kernzeitbetreuung, einer offenen und einer gebundenen Form sorgfältig abgewogen werden. Ein derzeit noch innerparlamentarisch diskutiertes neues Ganztagesschulgesetz, dessen Regelung derzeit in verschiedenen Orten erprobt wird, lässt an einem Schulstandort verschiedene Varianten zu, beispielsweise Kernzeitbetreuung/offenes Ganztagesangebot parallel mit gebundener Ganztagesform.

Für uns Freie Wähler ist der Elternwille ein zusätzlicher entscheidender Faktor für die Form der Kernzeit- und/oder Ganztagesbetreuung. Auch wenn eine gebundene Ganztagesform eher einen rhythmisierten Schultagesablauf ermöglicht und dies nachweislich im Blick auf den Bildungsaspekt von Ganztagesschulen zahleiche positive Wirkungen hat, dürfen Eltern und Kinder nicht in eine gebundene,, d.h. verpflichtende Ganztagesform nicht gezwungen werden.

Auch in den weiterführenden Schulen werden – so das zu erwartende Gesetz – bis Klasse 7 oder 8 Ganztagesangebote immer mehr nachgefragt werden. Auch hier gilt für uns neben den Aspekten einer Förderung der Bildungschancen das Prinzip des Elternwillens und des Wohls der Schülerinnen und Schülern.

Bei allen Überlegungen gelten für uns Freie Wähler folgende Grundsätze:

1.)   Ganztagesschulen brauchen Qualität, denn es geht nicht lediglich um eine zusätzliche Betreuung, sondern um Bildungsangebote. Dies haben wir Freie Wähler bisher schon unterstrichen und in die Diskussionen und Beschlusslagen des Gemeinderates eingebracht.

2.)   Qualität braucht entsprechende Räumlichkeiten. Dass deshalb ein umfängliches Raumprogramm für die Schulen in Filderstadt erarbeitet werden muss, haben wir Freie Wähler immer eingefordert. Bereits jetzt besteht Raumknappheit, was beispielsweise die Sporthallen betrifft.

3.)   Qualität braucht klare Zuständigkeiten und gesetzliche Regelungen. Die bisher geltenden Regelungen schieben den Kommunen zu viele Aufgaben zu, die seitens der Stadt finanziert werden müssen – das sogenannte Konnexitätsprinzip (Wer bestellt, muss finanzieren) greift aus Sicht der Freien Wähler insbesondere deshalb, weil die Landesregierung die Ganztagesschulen schulrechtlich verankert hat, deshalb aus unserer Sicht auch weitestgehend für deren Finanzierung verantwortlich ist.

4.)   Qualität braucht qualifiziertes Personal. Auch hier müssen den finanziellen Lasten zwischen dem Land und den Gemeinden zugunsten der Gemeinden als Schulträger verbessert werden – auch diese Forderung haben wir Freie Wähler wiederholt eingebracht. Auch auf unser Votum wurde beispielsweise die Zahl der Schulsozialarbeiter/innen an den Filderstädter Schulen erhöht und dabei die Trägervielfalt erweitert.

5.)   Qualität braucht Vielfalt. Ganztagesschule heißt auch, dass sich Schule noch weiter in das Gemeinwesen öffnet. Deshalb müssen nichtschulische Träger, beispielsweise aus den Bereichen Sport, Kirchen, Kunst, Musik und Jugendfarm bei den Ganztagesangeboten beteiligt und entsprechend finanziert werden. Dafür stehen wir Freie Wähler mit großem Nachdruck ein, damit Schule auch die Vielfalt des gesellschaftlichen Lebens spiegelt und Ehrenamt in seiner Vielfalt als Vorbild erlebbar wird. Die Monetarisierung von Lehrer/innenstellen, d.h. die Umwandlung von Lehrer/innendeputaten in finanzielle Mittel zur Finanzierung außerschulischer qualifizierter Mitarbeiter/innen ist eine langjährige Forderung der Freien Wähler und angesichts des (insbesondere in den Grundschulen bestehenden) Lehrkräftemangels dringend geboten.

6.)   Qualität braucht Koordination. Ganztagesschulangebote haben einen hohen Koordinationsaufwand in der Schule und außerhalb der Schule (z.B. Hallenbelegung, Sportplätze, Räumlichkeiten etc.). Die Schulleitungen und Kollegien müssen bei diesem Koordinationsaufwand entlastet werden. Dafür – so eine langjährige Forderung der Freien Wähler – sieht das derzeit beratende neue Gesetz Koordinierungsstellen vor, die auch bei außerschulischen Trägern angesiedelt werden können, aber kommunal finanziert werden.

7.)   Qualität braucht die Perspektive der Schülerinnen und Schüler. Ganztagesangebote dürfen nicht am Schreibtisch entstehen, sondern müssen konsequent aus den Bedarfen und der Sicht der Schülerinnen und Schüler entwickelt werden. Für uns Freie Wähler ist dies eine grundlegende Voraussetzung.

8.)   Qualität betrifft auch die Essensangebote. Mittagessen in der Schule muss gesundheitsfördernd und das Bewusstsein für gesunde Ernährung fördernd sein. Wir Freie Wähler haben deshalb mehrfach die Einrichtung einer zentralen Küche in Filderstadt gefordert, in der regionale und gesunde Produkte verwendet und alle Kindergärten und Schulen zentral und zeitnah beliefert werden. Angesichts des hohen Marktdrucks anderer Anbieter ist dies nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen ein Gebot der Notwendigkeit.

Wir Freie Wähler stehen für Schulen und Ganztagesangebote mit Qualität. Denn unsere Kinder und Jugendliche brauchen Zukunft. Zusätzliche Ganztagesangebote können – schon allein aus räumliche Gründen – nicht gleichzeitig neu geschaffen werden. Deshalb braucht es dringend einen Entwicklungsplan, in dem die einzelnen Maßnahmen nach und nach in einen geordneten Verfahren und Zeitplan verwirklicht werden. Da der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler beruflich intensiv mit diesem Thema befasst ist und entsprechende gesetzliche Veränderungsprozesse zeitnah erfährt, sind und bleiben wir Freie Wähler auch weiterhin bei diesem Thema zeitnah und aktuell am Ball.

Stefan Hermann,
Fraktionsvorsitzender
Freie Wähler Fraktion Filderstadt


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